Beispiel 1

Beispiel 1

Abenteuer-Superplot Nummer 1: Suche

 „Aus den tiefsten Tiefen der Hölle will ich dich verfolgen. Mit meinem letzten Atemzug speie ich dir meinen Hass entgegen.“  

Kapitän Ahab – in: Moby Dick (1956)

Kurz-Info: Suche
  Etwas Bedeutsames wird gesucht.

Wovon handelt der Superplot „Suche“?

Wer auf die Suche geht, hat etwas, das er finden oder wiederfinden will. Gesucht werden Gegenstände, Orte, Menschen oder Herausforderungen. Eine Suche sollte mit möglichst starken Emotionen aufgeladen sein, etwa einer großen Belohnung. Nur wer für etwas brennt, nimmt eine beschwerliche Reise auf sich. In der griechischen Mythologie etwa suchte Jason das Goldene Vlies und musste viele Prüfungen bestehen, um es schließlich zu bekommen. Diese Story wird Tausende Jahre später immer noch ähnlich erzählt: Archetypisch geht es bei der Suche um Raub, Liebe, Prüfungen, Kämpfe, einen Schatz, um eine Belohnung oder eine große Erwartung.

Um welche Figurenziele geht es?

Das Objekt oder die Person, die gesucht wird, häufig weil sie verloren gegangen ist, muss von großer Wichtigkeit sein. Meist vergrößert das Gesuchte die Macht seines Besitzers. Idealerweise gibt es einen Bösewicht, der ebenfalls Interesse an dem Objekt oder der Person hat. Die Suchenden sind fast immer die Guten. Die Schematisierung in Gut und Böse ist ein grundlegendes Element von Abenteuergeschichten. Neben der Suche und den Hindernissen, die der Autor erfinden muss, gilt es noch ein Rätsel um das gesuchte Objekt oder die gesuchte Person zu lüften.

Die Erzählhistorie des Plots …

Eine Suche ist nur dann spannend, wenn es ein schwieriges Terrain zu bewältigen gilt. Historisch betrachtet geht die Suche nach einem Gegenstand oder einer Person auf den „Unterweltbesuch“[i] zurück. Es geht darum, in ein dunkles Reich einzudringen und dort etwas „über die Region zu erfahren, in die er [der Reisende] gemäß vielen Glaubensvorstellungen nach dem Tode gelangt, die den Lebendigen jedoch verschlossen ist und aus der noch nie jemand zurückkehrte.“[ii]

Eine der ersten Quellen, die von einer Unterweltreise berichtet, ist „Das ägyptische Totenbuch“ (16. Jh. v.Chr.). Ähnliche Geschichten um eine Heldenreise in die Unterwelt finden sich in der griechischen und römischen Antike, zum Beispiel im Orpheus-Mythos. Immer geht es darum, dass ein Held in mehreren Prüfungen seinen Mut beweist und über sich hinauswächst.

Das Thema der „Suche“ ist das zentrale Element, um das jede Abenteuergeschichte kreist. Es ist deswegen von großer Bedeutsamkeit. Manche Reisende suchen einen Weg nach Punkt X, andere suchen ein Tier, wieder andere versuchen eine Person zu befreien.

Die Suche nach einem verlorenen Gegenstand ist nicht ganz so spannend und emotional zugkräftig wie etwa die Suche nach einer entführten oder verlorenen Person. Andererseits kann ein verlorenes Objekt mehr Magie und Rätselhaftigkeit in sich bergen als eine Person.

Ein verlorenes Objekt (ein Relikt, ein Schatz etc.) sollte immer rätselhaft erscheinen und niemals zu Beginn in vollem Umfang erklärt werden. So behalten Sie sich vor, mit dem Auffinden des Gegenstands eine weitere Spanungskomponente in die Story einzubringen.

Der Suche-Plot bildet gewissermaßen den Rahmen für Ihre Story. In der Mitte (im zweiten Akt) können Sie weitere Plots („Hindernisse bewältigen“, „Wettlauf“ oder „entstehende Freundschaft“) erzählen.

Filmbeispiele sind …

Zwei glorreiche Halunken (1966)

Guardians of the Galaxy (2014)

Marvel´s The Avengers (2012)

Der schwarze Falke (1956)

Trouble ohne Paddel (2004)

Sahara – Abenteuer in der Wüste (2005)

Fluch der Karibik (2003)

Moby Dick (1956)

Findet Nemo (2003)

Jack and the Giants (2013)

Prince of Persia: Der Sand der Zeit (2010)

Cowboys & Aliens (2011)

Twister (1996)

Master and Commander (2003)

Der weiße Hai (1975)


[i] Frenzel, Elisabeth. Motive der Weltliteratur. Stuttgart 1992.
S. 713ff.

[ii] Frenzel, Elisabeth. Motive der Weltliteratur. Stuttgart 1992.
S. 713


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