Das Modell der Basis-Charaktere

Das Modell der Basis-Charaktere

Einleitung

Haben Sie sich nicht schon des Öfteren gefragt, warum manche Menschen zusammenpassen und andere wiederum nicht? Man spricht häufig von „Seelenpartnern“ oder von „Seelenverwandten“. Gibt es so etwas überhaupt? Haben Sie sich nicht schon einmal gewundert, dass Sie mit einem bestimmten Vorgesetzen gut auskommen und mit einem anderen nicht? Mit manchen Menschen gehen Sie Freundschaften ein und andere Leute meiden Sie. Und falls Sie Kinder haben, verstehen Sie sich mit dem einen Kind besser als mit dem anderen. Woran liegt das?

Es gibt viele Modelle, die zu erklären versuchen, warum bestimmte Menschen zusammenpassen und andere nicht. Manche Menschen glauben an Sternzeichen beziehungsweise an Horoskope und an die Deutung der Sterne. Aber seien Sie mal ehrlich: Wie oft lag Ihr persönliches Horoskop schon daneben?

Neben dem Modell der Astrologie mit seiner Sternzeichenlehre gab es seit der Antike noch ein anderes, sehr verbreitetes Modell, um die unterschiedlichen Temperamente der Menschen besser zu verstehen: die Vier-Elemente-Lehre. Sie beschreibt die Zuordnung der Menschen zu den Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft. Davon abgeleitet wurde die Lehre von den vier Körpersäften, die auf Hippokrates zurückgeht. Ihr zufolge gibt es vier Temperamente, den Sanguiniker, den Melancholiker, den Choleriker und den Phlegmatiker.

Der Sanguiniker beispielsweise wird mit dem Luftelement assoziiert. Er ist aufgeschlossen, kontaktfreudig und verbreitet eine positive Stimmung. Das Gegenteil des Sanguinikers ist der Melancholiker. Er ist in sich gekehrt und besitzt meist keinen großen Freundeskreis. Er ist fleißig, sorgfältig und ausdauernd im Beruf und verbreitet eine eher traurige, gedrückte Stimmung. Der Melancholiker wird mit dem Erdelement assoziiert.

Der Choleriker hingegen kann sich leidenschaftlich und mit viel Energie für etwas einsetzen – auch wenn manchmal die Vernunft dagegenspricht. Er stürmt los und will mit dem Kopf durch die Wand. Geduld fällt ihm schwer. Das Temperament des Cholerikers wird mit dem Feuer­element assoziiert.

Der Phlegmatiker, das letzte Temperament in dieser Reihe, ist die Ruhe in Person. Während andere längst die Nerven verlieren, bleibt er gelassen. Gefühlsmäßig ist er nur wenig erregbar. Er ist schwer zu begeistern und reagiert trocken und nüchtern. Er kann bequem und träge sein, ist jedoch bei der Arbeit gleichmäßig und bedächtig. Phlegmatiker sind in Beziehungen eher anhängliche Typen. Der Phlegmatiker wird mit dem Wasserelement in Verbindung gebracht.

Je nach Auslegung der Lehre passen die Temperamente einmal gut und einmal weniger gut zusammen. Der optimistische Sanguiniker passt zum Beispiel gut zum introvertierten Melancholiker. Der Choleriker seinerseits motiviert den eher trägen Phlegmatiker. So ergänzen sich die Temperamente optimal. Doch würden Sie dieser Lehre heute, in unserer modernen Welt, noch Glauben schenken?

In ihrer Weiterentwicklung als Vier-Säfte-Lehre war die Vier-Elemente-Lehre jedoch fast 2000 Jahre lang die vorherrschende Lehre der Medizin in Europa. Heute würde kein Psychologe oder Psychiater seine Patienten nach den vier Temperamenten beurteilen. Es gibt andere und komplexere Begrifflichkeiten.

Trotzdem wird auch heute noch und in jeder Wissenschaft nach Erklärungsansätzen, nach Mustern und nach Typen gesucht und geforscht. Krankheiten und Beschwerden werden nach bestimmten Symptomen und Mustern klassifiziert und spezifiziert.

Bei der Lehre von den vier Temperamenten ging es vor allem darum, den Menschen als Ganzes zu betrachten mit dem Ziel, ihn von verschiedenen Krankheiten und Beschwerden zu heilen. Um Menschen besser verstehen zu können, beschäftigte auch ich mich eine Zeit lang eingehend mit dieser Lehre, konnte jedoch keinen Nutzen feststellen.

Nachdem mir weder die Lehre von den vier Temperamenten noch die Astrologie in der Frage weiterhalfen, warum bestimmte Menschen zusammenpassen und andere nicht, stand für mich fest, dass ich ein eigenes System entwickeln musste.   

Während meiner intensiven Menschenbeobachtungen entwickelte ich eines Tages eher zufällig eine Klassifikation, durch die sich die Menschen verschiedenen Gruppen zuordnen lassen. Anfangs wendete ich sie eher nur spielerisch an. Doch bald bemerkte ich, dass sie tatsächlich griff, ich konnte eine grundlegende Einteilung von Charakteren und Persönlichkeiten vornehmen. Ich war mir bald sicher, etwas Bedeutsames entdeckt zu haben: ein neues Modell von Basis-Charakteren.

Es gibt meiner Beobachtung nach vier „Typen“ des menschlichen Charakters. Die dazu gehörigen Aspekte prägen den jeweiligen Menschen sehr stark. Da ist zum einen der dominante „Anführer“, zum Zweiten der geduldige „Heiler“, zum Dritten der ideenreiche „Grenzgänger“ und zum Vierten der soziale „Helfer“.

Als ich gemäß dieser Klassifizierung diverse Charakterpartnerschaften zu untersuchen begann, zuerst im Familienkreis, später im Bekanntenkreis, stellte ich ziemlich schnell fest, dass diese Typologie der vier Charaktere funktionierte. Sie bot eine Erklärung sowohl für unkomplizierte als auch für schwierige Konstellationen in zwischenmenschlichen Beziehungen, sei es in Liebe, Partnerschaft, Freundschaft oder Beruf.

Außerdem lieferte die Typologie eine Erklärung dafür, warum sich Menschen immer mit denselben Problemen herumschlagen.

Nach weiteren vertiefenden Überlegungen hatte ich eine klare und eindeutige Typologie erstellt, die ich Ihnen auf den folgenden Seiten vorstellen möchte.

Am interessantesten war, die neuen Erkenntnisse bei mir selbst und meiner Familie anzuwenden. Doch schon bald gelang es mir auch, viele öffentliche Personen, Politiker, Schauspieler, zuzuordnen. Ich verstand plötzlich, warum die Menschen so und nicht anders handeln konnten. Und ich erkannte, dass mir diese Typologie nicht nur bezüglich meiner persönlichen Erkenntnis über die Menschen weiterhalf, sondern auch meiner schriftstellerischen und dramaturgischen Tätigkeit zugutekam. Wer Menschen auf einer tieferen Ebene besser verstehen konnte, der musste auch bessere Film- und Romanfiguren entwerfen können. Da war ich mir sicher.

Sie werden, wenn Sie diese Typologie näher kennenlernen, durchschauen, warum ein bestimmter Mensch zum Beispiel immer führen und dominieren muss. Ein anderer will zum Beispiel immer nur helfen. Wieder ein anderer will schlichten. Der Nächste macht ständig Verbesserungsvorschläge.

Warum fällt es den meisten Menschen schwer, bestimmte Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen abzulegen? Der Grund ist vermutlich, dass sie tief im Menschen verankert sind. Liegt es also an den Genen, dass jeder Mensch einem der vier Grundcharaktere zuzuordnen ist? Ich weiß es nicht. Falls Sie mir jedoch nicht glauben, dass die Typologie der vier Grundcharaktere wirklich funktioniert und zu einem besseren Verständnis der menschlichen Charaktere führt: Legen Sie das Buch nicht vorschnell zur Seite. Geben Sie mir eine Chance, Ihnen die vier Charakterformen kurz zu erklären.

Um die vier Basis-Charakter kennenzulernen, wird sich dieses Buch nun auf einen Exkurs in die Persönlichkeitsforschung begeben. Das mag Ihnen auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich für einen Schreibratgeber erscheinen. Dies ist jedoch so beabsichtigt und die Voraussetzung, damit wir die vier Charaktere besser verstehen lernen. Das klare Verständnis wird uns im weiteren Verlauf des Buches dazu befähigen, mit den verschiedenen Charakterformen umgehen zu lernen und sie in der schriftstellerischen Praxis einzusetzen.


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