Der Heiler

Der Heiler

Distanziert, strukturiert, geduldig

Kindheit & Jugend

Heiler-Charaktere werden im Kindesalter kaum beachtet. Oft sind sie ordnungsliebend, was natürlich positiv auffällt. Erst im Erwachsenenalter wird das vielfältige Talent des Heiler-Charakters richtig eingeschätzt. Ihm liegt das genaue Arbeiten und das akribische Suchen nach kleinen und kleinsten Fehlern – Stärken, die in einer Zeit, in der technisch alles immer kleiner wird, immer mehr gefragt sein werden.

Heiler-Kinder sind eher die vorsichtigen Typen. Sie nähern sich einer Sache an und überlegen, ob das Ding gefährlich werden kann. Anführer-Kinder sitzen da längst schon auf dem Ding oben drauf. Grenzgänger-Kinder haben das Ding bereits ausgetestet und sitzen auf dem nächsten. Heiler-Kinder sehen dagegen hinter den Dingen und den Menschen Geheimnisse und Gefahren. Sie sind eher nachdenklich und wirken auf andere Menschen oft irgendwie bedrückt.

Trotz aller Vorsicht ist der Heiler-Charakter ein ausgesprochen neugieriger Charaktertypus. Heiler wollen Problemen auf den Grund gehen und lassen nicht locker, bis sie tatsächlich des Rätsels Lösung gefunden haben. Sie bringen durch ihr ruhiges Wesen eine erstaunliche Geduld auf, um ihr Ziel zu erreichen. Deswegen sind Heiler aus Bereichen wie Medizin, Informatik, Pharmakologie, Bildung und Wissenschaft sowie bei der Grundlagenforschung nicht wegzudenken und erfüllen wichtige Schlüsselaufgaben.

Heiler-Kinder besitzen – und das ist ihr echtes Problem – keine besonders ausgeprägte Fantasie. Sie sind häufig neidisch auf Grenzgänger-Kinder und können es nicht fassen, wie spielerisch diese mit kreativen Aufgaben umgehen. Sie schauen deshalb gern bei anderen ab und kopieren das, was andere tun. Dabei erlernen sie, in welcher Form andere arbeiten. Sie lernen dabei schnell dazu. Sie saugen regelrecht Informationen in sich auf, können diese auch gut behalten und mit Leichtigkeit wieder abrufen – ganz im Gegenteil zu Grenzgänger-Kindern, die sich damit schwerer tun.

Heiler-Kinder sind nicht besonders mutig. Wenn jemand von ihren Freunden bedroht wird, sind es in erster Linie Anführer und Grenzgänger, die sich schützend vor andere stellen. Heiler hingegen warten erst einmal ab, wie groß die Bedrohung wirklich ist und ob nicht jemand anderes schon eingreift. Heiler haben eher einen schlauen Rat oder eine vernünftige Lösung parat.

Heiler-Charaktere merken schon früh, dass die Welt da draußen gefährlich für sie werden kann, und suchen sich einen Partner, der sie beschützt. Diese Rolle fällt den Anführer-Charakteren zu. Heiler bilden gern auch Netzwerke, um sich mit anderen Heiler-Charakteren zu verbünden und gemeinsam stark zu sein.

Freunde finden Heiler-Charaktere meist unter ihresgleichen. Interesse besteht auch an anderen Charaktertypen, etwa an den Grenzgänger-Charakteren. Doch bereits nach kurzem gegenseitigen „Beschnuppern“ glaubt der Heiler-Charakter, dass es an einem Grenzgänger-Charakter nichts Besonderes zu entdecken gibt.

Anführer werden von Heiler-Charakteren geschätzt, weil sie ihnen nützlich sind. Tief im Inneren machen sich viele Heiler-Charaktere über die Anführer-Charaktere ein klein wenig lustig, weil diese in ihren Augen deutlich einfacher strukturiert sind als sie selbst.

In Sachen Liebe ist zwischen Heiler und Anführer etwas im Gange – die große Leidenschaft, wie sie bei den Grenzgängern entbrennt, ist es aber nicht und wird es eher selten sein. Heiler sind zu sehr Vernunftmenschen, als dass sie sich Hals über Kopf in eine Beziehung hineinstürzen würden. Heiler-Charaktere erkennen früh, dass es sich lohnt, ihre Energie in andere Bereiche zu lenken – dorthin, wo es vor allem etwas Nützliches und Gewinnbringendes zu tun gibt.

Berufswahl

Der Mut der Heiler beruht in ihrer Ausdauer, eine Aufgabe bis zur Vollendung zu lösen. Heiler sind in vielen Bereichen tätig, doch erst mit der technischen Revolution und im Computerzeitalter wurden die Heiler-Charaktere zur großen Macht. Heiler bauen zum Beispiel Speicherbausteine und Systeme auf. Die genialen Ideen zu den Erfindungen liefern zwar meist die Grenzgänger- und die Helfer-Charaktere, doch die Umsetzung der Projekte und die Hinführung zur Serienreife erledigen die Heiler-Charaktere.

Ein anderer wichtiger Bereich der Heiler ist das weite Feld der Medizin. Viele Ärzte sind Heiler-Charaktere. Sie können die komplexen Zusammenhänge des Körpers leicht erfassen, nach Möglichkeiten der Heilung oder Linderung suchen und diese schnell und einfach aufzeigen. Während Anführer und Grenzgänger – sofern sie überhaupt einen Heilberuf wählen – eher schnell mit dem Messer zur Sache sind und gern als Chirurgen arbeiten, gehen Heiler ganz systematisch an eine Krankheit heran. Sie suchen nach Ursachen und Gründen. Das logische Denken und die Verknüpfung von Aktion und Reaktion ist voll und ganz die Lebensaufgabe der Heiler.

Dieses Denken ist allerdings auch der Schwachpunkt der Heiler. Große Ideen und Erfindungen entstehen nämlich nicht durch Logik und durch kausales Denken. Sie entstehen durch das Überwinden von Grenzen im Denken und Handeln.

Die Vernunft der Heiler prägt mittlerweile stark die Medienwelt. Überall und immerzu wird nach Gründen gesucht, warum etwas passiert und warum es genau so passiert. Die Kanäle im Fernsehen sind voll von Nachrichten, Dokumentationen und Wissenssendungen. Anführer, die eine klare und deutliche Meinung besitzen, sind nicht mehr „in“, genauso wenig wie Grenzgänger, die eher non-konforme Ideen äußern.

Anführer-Charaktere werden in den Medien als grob, dumm und diktatorisch dargestellt. Grenzgänger finden in Presse und TV fast kaum noch Beachtung – höchstens um sich über sie lustig zu machen, weil sie es doch sind, die gegen den Strom schwimmen.

Heiler-Charaktere sind glücklich, wenn eine geordnete Umwelt um sie geschaffen wurde. Heiler-Charaktere selbst sind ausgesprochen ordnungsliebend. Anführer sind ein Stück weit ähnlich veranlagt, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. Grenzgänger sind eher die chaotischen Typen, auf die der Spruch gemünzt sein könnte: „Nur ein Genie beherrscht das Chaos“. Helfer sind zwar nicht unordentlich, aber bei der perfekten Ordnung eines Heiler-Haushalts oder eines Heiler-Arbeitsplatzes geraten auch sie ins Staunen.

Das Zuviel an Ordnung ist dann auch ein Schwachpunkt der Heiler-Charaktere. Manche Menschen nervt es, wenn jemand ständig aufräumt und Ordnung schafft. Grenzgänger denken deshalb, dass Heiler verrückt sein könnten. Grenzgänger würden niemals so viel Aufwand betreiben, um für sich die perfekte Ordnung herzustellen. Umgekehrt denken jedoch viele Heiler dasselbe von den Grenzgänger-Charakteren. Beide Charaktere sind weit voneinander entfernt, könnten jedoch – wenn sich beide anstrengen würden – viel voneinander lernen.

Zu Liebesbeziehungen kommt es zwischen Heiler und Grenzgängern selten, und wenn, dann dauert es nicht lange, bis sich die beiden wieder trennen. Zwischen Heilern und Anführern hingegen besteht die ideale charakterliche Verbindung. Wir schauen deshalb zuerst auf ein paar Beispiele von guten oder idealen Partnerschaften.

Beziehungsbeispiele

  • Die Apothekerin Regina ist Perfektionistin. Sie will keine Kinder, weil sie das zeittechnisch in ihrem Zwölf-Stunden-Tag nicht unterbringen kann. Die Apotheke, die sie besitzt, läuft gut. Das kommt nicht von ungefähr, sondern durch ihren großen Einsatz, ihren Ehrgeiz und ihre korrekte Mitarbeiterführung. Ihrem Mann Hans-Jörg macht es nichts aus, dass Regina wenig zu Hause ist. Er trainiert in seiner Freizeit eine Fußballmannschaft und ist damit erfolgreich und zufrieden. Reginas Kunden schätzen ihre Beratungskompetenz und ihr offenes Ohr. Sie ist ein typischer Heiler-Charakter. Ihr Mann Hans-Jörg, der Bankberater, lebt seinen Anführer-Charakter beim Sport aus und ist dadurch ebenso glücklich wie zufrieden.
  • Krankenschwester Erika arbeitet halbtags und nur zu ihrem Vergnügen. Ihr Mann Axel ist erfolgreicher Aktienhändler und verdient außerordentlich gut. Erika, die Heiler-Charakterfrau, ist im Krankenhaus beliebt, weil sie gewissenhaft ihre Aufgaben erledigt und gern auch einmal – ohne darüber akribisch Buch zu führen – einige Minuten Arbeitszeit dranhängt. Ihr Mann Axel, das Alpha-Männchen, beruhigt sich von der stressigen Arbeit, wenn er seine ruhige Frau um sich hat. Er, der Anführer-Charakter, läuft wegen seines stressigen Berufs fast immer auf vollen Touren.
  • Tanja ist Frauenärztin im Krankenhaus. Sie kennt ihren Mann Georg bereits seit der Schulzeit. Beide bilden ein tolles Paar, auch wenn es in der Beziehung manchmal knirscht. Georg, der Anführer-Charakter, ist Professor an einer Hochschule für Maschinenbau und Verfahrenstechnik. Er ist ehrgeizig und leicht reizbar. Wenn er sich ärgert und überreagiert, dann ist es Tanja, die ihn wieder beruhigen muss. Doch sie stellt ihn auch zur Rede. Es könne so nicht weitergehen, und sie werde ihn verlassen, wenn er sich nicht bessere und endlich vernünftig werde. Der Anführer-Charakter Georg reagiert mit Reue und gelobt – wie so oft – Besserung.

Die Beispiele, die nun folgen, beschreiben weniger harmonische Verbindungen zwischen zwei Heiler-Charakteren bzw. Beziehungen zwischen Heiler-Charakteren und anderen Charaktertypen.

  • Die beiden Heiler-Charaktere Thomas und Maria kennen sich vom Studium her. Beide stammen aus bescheidenen Verhältnissen und beide sind eher zurückhaltend und introvertiert. Es ist zwar nicht das Größte, was sie emotional in ihrer Beziehung erleben, aber es genügt ihnen, um zusammenzubleiben. Beide schließen mit Erfolg ihr Studium ab. Er wird Rechtsanwalt, sie wird Zahnärztin. Sie bekommen zwei Kinder, die sich jedoch, als sie größer sind, bei den Eltern gar nicht mehr so wohl fühlen und selten nach Hause zurückkehren. Die Kinder empfinden die Stimmung zu Hause als seltsam bedrückt. Die Eltern verstehen hingegen ihre Kinder nicht und leiden unter der Situation der Ablehnung.
  • Der Oberstufen-Schüler Harald ist ein wahrer Computerfreak. Mit Frauen tut er sich schwerer als mit Technik. Er weiß nie, was er sagen soll, wenn er eine Frau kennenlernen will. Vermutlich liegt es daran, dass er sich bereits im Vorfeld zu viele Gedanken macht. Als er in einem Elektronikmarkt das Gespräch zwischen einer jungen Frau und einem Verkäufer hört, mischt er sich ein. Isabell, die Frau, ist ein Grenzgänger-Charakter und wird mit ihrem Computer, den sie am nächsten Tag fürs Studium braucht, fast verrückt. Harald bietet ihr an, ihr zu helfen, und kommt spontan mit zu ihr nach Hause. Dort knistert es zwischen den beiden – vor allem die Designstudentin Isabell ist heiß auf den jungenhaften Harald. Harald verliert seine Unschuld. In den folgenden Tagen versucht Harald Isabell zu treffen, doch die blockt ab. Für sie war es nichts weiter als eine kurze Affäre. Harald muss das akzeptieren, obwohl es ihn tief im Inneren heftig schmerzt.
  • Der Englischlehrer Günther ist einsam. Er ist ein Heiler-Charakter und dazu sehr schüchtern. Eines Tages kommt eine neue Lehrerin an seine Schule: Tanja. Sie unterrichtet Religion und ist ein Helfer-Charakter. Sie ist ebenso schüchtern wie Günther. Beide lernen sich beim Kaffeeautomaten kennen und kommen ins Gespräch. Die beiden treffen sich häufiger und beginnen eine Affäre. Doch irgendwie funktioniert es nicht im Bett zwischen den beiden. Tanja ist zu ruhig und kaum aktiv, Harald ebenso. Sie merken, dass sie wohl nicht zusammengehören, und beenden ihre Beziehung in Freundschaft.

Einschätzung

Ein oft großes Problem von Heiler-Charakteren ist, dass sie eher ruhige und unnahbare Menschen sind. Damit einher geht eine gewisse Langeweile. Vielleicht liegen die Ruhe und die Zurückhaltung der Heiler-Charaktere an ihrer Vorsicht. Sie kommen deswegen mit den kreativen und aufgeschlossenen Grenzgängern überhaupt nicht gut zurecht. In einem Team von Arbeitnehmern sollte man das, wenn möglich, berücksichtigen.

Grenzgänger werfen Heiler-Charakteren vor, dass sie nicht nur verschlossen, sondern sogar unnahbar seien. Das kann unter Umständen an der gegenseitigen und grundsätzlichen Abneigung der beiden Charaktertypen liegen. Eine ähnliche Abneigung ist übrigens auch zwischen den Anführern und Helfern vorhanden.

Heiler-Charaktere besitzen ein analytisches Talent, das erst durch ein Studium voll und ganz zur Reife gebracht werden kann. Heiler analysieren gern – zuweilen sogar die eigene Beziehung. Dabei kritisieren sie nicht selten ihren Partner. Dies hat zur Folge, dass es in Beziehungen der Heiler häufig kleine Streits gibt, die jedoch aufgrund der Veranlagung der Heiler-Charaktere meist nicht richtig zum Ausbruch kommen. Diese Streitereien sind oft nur kleine verbale Gefechte. Heiler sind im Grunde sehr friedliebende und sanfte Menschen, ähnlich den Helfern. Man kann Heiler und Helfer deswegen auch leicht verwechseln. Das grundsätzliche und leichte Unterscheidungsmerkmal ist: Heiler fühlen sich in der Liebe zu Anführern hingezogen, Helfer hingegen zu den Grenzgängern.


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