Der Helfer

Der Helfer

Sanft, sozial, zurückhaltend

Kindheit & Jugend

Im geschützten Rahmen des Kindergartens gehören Helfer-Charaktere zu den unauffälligen und doch beliebten Kindern. Sie sind unkompliziert, helfen gern anderen und begehen da bereits ihren größten Fehler, nämlich den Anweisungen von Anführer-Charakteren Folge zu leisten.

In jungen Jahren sind die „Befehle“ der Anführer noch harmloser Natur. Doch wenn Helfer-Charaktere wachsen und größer werden, dann kann es sein, dass sie etwas tun müssen, das gegen ihre Überzeugung läuft. Zum Beispiel will ein Anführer-Freund eine Mutprobe veranstalten, bei der der Helfer-Freund Schmiere stehen soll. Es geht nur um einen kleinen, harmlosen Diebstahl in einem Supermarkt. „Harmlos“, sagt der Anführer-Charakter. Doch im Helfer-Charakter brodelt es, denn er weiß, dass es Unrecht ist, was der Anführer da will. Hier nun sollte ein Helfer-Charakter lernen, „nein“ zu sagen.

Wenn er es in der Kindheit oder Jugend nicht lernt, wird er es zu späterer Zeit, vielleicht im Berufsleben oder noch später, lernen müssen. Denn sonst werden Helfer-Charaktere gnadenlos benutzt und ausgenutzt. Der Anführer könnte sagen: „So, jetzt hast du dich mitschuldig gemacht bei dem Diebstahl. Nun gehörst du mir! Soll ich dich bei der Polizei verpfeifen? – Nein? Also nicht. – Gut. Dann kannst du jetzt ein paar kleinere Diebstähle für mich erledigen.“ So oder so ähnlich kann es ablaufen, wenn ein Anführer sich einen Helfer-Charakter zu eigen macht.

Berufswahl

Im Berufsleben kann es ganz ähnlich ablaufen. Mitgehangen – mitgefangen. Wenn ein Helfer nicht lernt, klar „nein“ zu sagen, hat ein Chef schnell ein Opfer gefunden. Anführer merken schnell, wenn es da jemanden gibt, der ihnen aus der Hand frisst und den sie nach Belieben manipulieren und steuern können. So kann es sein, dass viele Helfer-Charaktere in einem Betrieb im Vergleich zu ihren Grenzgänger-Kollegen viel zu wenig verdienen, obwohl sie die gleiche Arbeit leisten. Helfer-Charaktere müssen lernen, für ihre Belange einzustehen.

Welche Rolle spielt der Grenzgänger in Bezug auf den Helfer? Manchmal haben Helfer einen Grenzgänger-Partner an ihrer Seite, der ihnen in vielen Fragen des Lebens hilft. Wir haben ja bereits erfahren, dass beide Charaktere, also Grenzgänger und Helfer, ideale Partner sind. Woran liegt das? Grenzgänger legen sanft den Finger in die „Wunden“ der Helfer. Wenn es zum Beispiel um die Gehaltserhöhung eines Helfers geht, dann steckt nicht selten dessen Partner, ein Grenzgänger, dahinter, der nicht zusehen kann, wie ungerecht der Helfer im Job behandelt und eingestuft wird.

Beziehungen

Grenzgänger unterstützen ihre Helfer-Partner, sprechen ihnen Mut zu und sorgen dafür, dass sie auch beruflich aufsteigen und gerecht behandelt werden. Umgekehrt leisten die Helfer ihrerseits den Grenzgängern Hilfe, wenn es nötig ist – so zum Beispiel, wenn Grenzgänger bisweilen in Selbstmitleid versinken oder ihr Talent von anderen nicht richtig anerkannt wird. Grenzgänger und Helfer bilden eine Symbiose.

Beruflich kann man die Helfer-Charaktere nur schwer zuordnen, denn sie finden sich in allen Bereichen des Lebens, vor allem jedoch in sozialen Berufen, wie als Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger sowie Polizisten, Feuerwehrleute und so weiter. Helfer können auch Künstler und Kreative sein, meist zwar nicht so genial wie die Grenzgänger, aber meist mit kontinuierlicherem Erfolg als diese.

Freunde der Helfer sind gern die Heiler. Helfer fühlen sich zu den Heilern hingezogen, weil diese in ihnen gute Zuhörer finden. Sie fühlen sich von ihnen tief im Innern verstanden und merken, dass von den Heiler keine Gefahr ausgeht – ganz im Gegensatz zu manchen Anführer-Charakteren.

Betrachten wir ein paar Beispiele aus dem Liebesleben der Helfer und schauen uns an, wie sie mit den Grenzgängern einen idealen Charakterpartner finden können.

Beziehungsbeispiele

  • Der Helfer-Charakter Ida hat lange nicht den richtigen Partner fürs Leben gefunden. Sie arbeitete im Krankenhaus als Krankenschwester und lernte viele Leute kennen – darunter war bislang aber keiner, der ihr Herz berührte. Eines Tages kam nach einer Notoperation der schwer verletzte Hans auf eines der Zimmer, die Ida betreute. Noch als es Hans ziemlich schlecht ging, machte er bereits Scherze über seine Lage. Ida gefiel die Art, wie Hans mit seinen schweren Verletzungen umging, und sie verliebte sich spontan in ihn. Hans und Ida kamen sich im Krankenhaus näher und ihre Beziehung riss nicht ab, als Hans entlassen wurde und in seinen Beruf zurückkehrte. Beide wurden ein Paar und sind noch heute zusammen.
  • Inge und Franz waren einmal ein glückliches und aktives Paar. Inge brachte zwei Kinder mit in die Ehe, für die der Grenzgänger Franz ein guter Vater wurde. Doch dann geschah das Unglück: Bei einem Motorrad-Unfall zog sich Franz so starke Verletzungen zu, dass er fortan am ganzen Körper gelähmt war. Nur unter Schwierigkeiten kann er mit Inge kommunizieren. Doch Inge und auch die Kinder wollten nicht, dass Franz in ein Pflegeheim kommt. Zuerst dachten sie, dass sich zu Hause sein Zustand bessern könnte, doch nach vier Jahren gaben sie die Hoffnung auf. Die Helferin Inge hatte für die Pflege von Franz ihren sicheren Beamtenjob aufgegeben und lebt nur noch für ihren Mann, den sie liebevoll und fürsorglich pflegt – ohne dass andere Menschen das mitbekommen oder würdigen.
  • Die Helferin Tina und ihr Grenzgänger-Mann Robert sind seit etwa 20 Jahren zusammen. Sie haben sich mit Anfang 30 kennengelernt. Jetzt sind beide knapp 50 Jahre alt. Tina ist Verkäuferin für Mode und hat nur ein kleines Einkommen. Robert wollte immer das große Geld machen und arbeitete viele Jahre als Finanzberater – anfangs mit großem, dann mit immer mäßigerem Erfolg. Als der Verkaufsdruck immer größer wurde, brach Robert innerlich zusammen und bekam Depressionen. Robert musste in eine Nervenklinik. Diese Zeit war schwer und eine echte Bewährungsprobe für beide. Obwohl Robert zu dieser Zeit ein schwieriger Partner war, hielt Tina zu ihm. So kriegten die beiden schließlich die Kurve. Heute arbeitet Robert wieder, jedoch in einem anderen Bereich. Beide sind glücklich und wurden durch die schwierige Zeit unzertrennlich.

Drei Beispiele weniger guter Beziehungen zeigen, dass ein Helfer und beispielsweise ein Anführer deutlich weniger gut zusammenpassen.

  • Andreas ist ein netter Typ. Er ist hilfsbereit, umgänglich und immer zu Späßen aufgelegt. Er nimmt das Leben leicht, weil es ihm leichtfällt, zu lachen und gute Laune zu verbreiten. Bei einem Urlaub auf den Philippinen lernt er die Verkäuferin Manila kennen. Sie ist sofort Feuer und Flamme für Andreas. Schon bald heiraten die beiden. Natürlich zieht der Anführer-Charakter Manila zu Andreas nach Deutschland, wo sie alsbald Arbeit sucht. Doch sie merkt schnell, dass das nicht so einfach ist und in Deutschland viel von einer Angestellten verlangt wird. Zudem verfliegt die Liebe gegenüber dem gutmütigen Andreas. Manila denkt von ihm, er sei ein Trottel. Andreas, der Helfer-Charakter, spürt das und versucht die Beziehung mit einem Paartherapeuten zu retten. Doch als Manilas Demütigungen ihm gegenüber immer schlimmer werden, verlässt er eines Tages die Wohnung und zieht in ein Hotel. Manila findet bald einen anderen Freund, der sie heiratet, sodass sie in Deutschland bleiben kann. Andreas hat von den Frauen vorerst genug und will Single bleiben. Denn auch schon frühere Beziehungen endeten für den gutmütigen Mann in einem Fiasko.
  • Helga ist ein freundlicher und hilfsbereiter Helfer-Charakter im Bürgerbüro einer mittelgroßen Stadt. Sie lernte mit 16 Jahren ihren späteren Mann kennen und bekam ein Kind von ihm. Nach ein paar Jahren begann der Helfer-Charakter Thomas zu trinken. Helga und Thomas lebten sich auseinander, bis Helga eines Tages Thomas mit dem gemeinsamen Kind verließ. Es folgte die Scheidung. Thomas gab sich völlig auf. Helga musste das Kind allein großziehen, was sie trotz widriger Umstände schaffte. Kürzlich wurde sie selbst Großmutter. Sie ist stolz auf sich und ihre kleine Familie.
  • Der Helfer-Charakter Jörg ist selbstständiger Schreiner und arbeitet viel. Seine Heiler-Frau Iris macht die Buchhaltung für die kleine Firma und hat ansonsten noch viel mit den drei Kindern zu tun. Jörg macht alles, was Iris sagt. Er vertraut ihr voll und ganz. Er ist nicht ganz so intelligent wie Iris, die aus einer wohlhabenderen Familie kommt. Jörg merkt nicht, dass er nicht sein eigenes Leben lebt, sondern den Traum von Iris, die ihn insgeheim steuert und sehr sanft dominiert. Jörg hätte sich aus eigenem Antrieb nie selbstständig gemacht. Was soll er mit dem ganzen Geld? Er wäre viel lieber öfter in den Urlaub gefahren und hätte es sich gut gehen lassen.

Einschätzung

Das größte Problem der Helfer haben wir bereits kennengelernt: Es fällt ihnen schwer, „nein“ zu sagen. Helfer-Charaktere werden deshalb und nicht selten fremdgesteuert und von anderen dominiert. Wenn es Helfer-Charakteren daraufhin schlecht geht und sie unter der Fremdbestimmung leiden, dann können Helfer manchmal zu kleinen „Giftzwergen“ werden.

Helfer bleiben dabei harmlos und tun anderen körperlich nicht weh, dennoch können sie ihrem Umfeld gewaltig auf die Nerven gehen. Sie können in einem fort meckern, jammern und wehklagen. Der sonst so zurückhaltende Helfer-Charakter macht auf diese Weise dem eigenen Kummer Luft.

Dabei gibt es nur eine Lösung, um diesen Kummer zu vertreiben: Der Helfer-Charakter muss seinem Partner reinen Wein einschenken und ihm sagen, was er auf dem Herzen hat. Den bloßen Worten sollten dann auch Taten folgen: Der Helfer-Charakter muss lernen, „nein“ zu sagen.

Helfer sollten außerdem lernen, ihre Bedürfnisse zu erkunden und näher kennenzulernen. Helfer sind nicht dazu da, von anderen ausgebeutet und gedemütigt zu werden. Jeder Charakter, jeder Mensch, hat ein zentrales Bedürfnis. Nicht nur ein Anführer will andere führen, auch ein Helfer-Charakter will helfen, statt nur den Reichtum einer anderen Person zu mehren. Große historische Vorbilder waren häufig Helfer-Charaktere. Gandhi war sicherlich ein Helfer-Charakter. Die liebenswerte und gütige Art der Helfer verkörpert echte Liebe zu anderen Menschen. Anderen Charakteren täte es gut, sich von den Helfern etwas abzuschauen und von ihnen zu lernen.


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