Deus ex machina

Deus ex machina

Die Bezeichnung „Deus ex machina“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Gott aus der Maschine“. In der antiken griechischen Komödie und Tragödie gab es kranähnliche Maschinen, die einen Schauspieler plötzlich mitten ins Geschehen bringen konnten. Der „Gott aus der Maschine“ und die Figur, die damit völlig unerwartet auftrat, löste zum Beispiel einen Konflikt auf wundersame Weise. Die antiken Komödien- und Tragödienautoren verwendeten dieses Hilfsmittel gern, denn vermutlich kam dieser dramaturgische Kniff beim Publikum gut an. Der „Gott aus der Maschine“ versinnbildlicht das Wirken Gottes, der dem guten Menschen kurz vor Ende der Handlung völlig unerwartet zu Hilfe eilt. 

Der „Deus ex machina“ wird heute ganz anders bezeichnet: Man nennt ihn Planting und Payoff. „Planting“ bedeutet zu Deutsch so viel wie „platzieren“ und wird gerne auch als „säen“ bezeichnet. „Payoff“ oder zu Deutsch „erhalten“ wird gerne auch mit „ernten“ übersetzt. Das Prinzip des Säens und Erntens meint, dass das, was eine Figur am Ende bekommt, auch dramaturgisch vorbereiten sein sollte. Das Prinzip des „Plantings & Payoffs“ bezieht sich nicht nur auf Figuren. Der „Deus ex machina“ kann ein Mensch sein, ein Tier oder ein Gegenstand, der plötzlich auftaucht. Sein Wesen ist es, plötzlich und unerwartet zu erscheinen und der Handlung die alles entscheidende Wendung zu geben. Der Gott aus der Maschine sollte dabei als „rettendes Element“ zuvor nicht eindeutig exponiert werden. Er sollte am Anfang der Handlung lediglich angedeutet werden.

Es gibt ein paar Regeln für den „Gott aus der Maschine“:
1. Säen oder platzieren Sie anfangs nicht zu viel. 2. Säen oder platzieren Sie nicht genau das, was später eintritt. 3. Säen oder platzieren Sie lediglich eine Andeutung oder etwas Analoges. 4. Es geht in erster Linie um ein einziges Ereignis kurz vor Ende der Story, an dem eine rettende Wendung eintritt. Diese Wendung besitzt den Effekt, als wäre es „von oben gelenkt“. 5. Stehen Sie als Autor zu der unerwarteten Wendung. Bleiben Sie kritikfähig, aber lassen Sie sich auch nicht von anderen Meinungen beirren.

Von der Kritik wird der „Deus ex machina“ nicht immer gerne gesehen. Kritiker meinen, dass das plötzliche Erscheinen einer hilfreichen Hand das Unvermögen des Autors ausdrückt, eine Wendung dramaturgisch vorzubereiten. Deswegen sollten Sie sich als Autor merken, dass Sie den „Deus ex machina“ am Anfang richtig „platzieren“ oder „säen“. Das Publikum hingegen liebt den Gott aus der Maschine. Allerdings sollte auch hier sein Erscheinen überzeugend dargestellt werden.

Man sieht den „Deus ex machina“ nicht in jeder Art von Story. Viele Autoren verzichten auf dieses dramaturgische Element. Wenn er jedoch gut vorbereitet ist, dann versetzt das „Planting & Payoff“ das Publikum in Erstaunen.

Der „Gott aus der Maschine“ kann – wie bereits erwähnt -in der Exposition als unscheinbare Figur etabliert werden. Man kann zum Beispiel über eine Person reden, ohne dass man ihre wahre Macht und ihre Möglichkeiten schon kennenlernt. Es kann auch sein, dass diese Person einmal kurz in der Exposition erscheint, und dann den ganzen Film über nicht mehr präsent ist.

Der „Gott aus der Maschine“ wird besonders gut, nämlich völlig beiläufig, in dem Film „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ eingeführt. Die Hauptfigur Jake Sully wird ziemlich am Anfang des Films, also in der Exposition, von einem gefährlichen, großen Raubtier bedroht. Jake flüchtet vor dem Tier und man sieht es im Verlauf des Films nicht wieder, aber es ist dieses Tier, das der Heldengruppe gegen Ende des Films unerwartet zu Hilfe eilt.

Zwar erfolgt die Rettung nicht nur durch dieses einzelne Tier, sondern durch eine ganze Tiergruppe, jedoch hat der Zuschauer zu keinem Zeitpunkt des Films erwarten können, dass dieses zuvor als Bedrohung exponierte Tier gegen Filmende zum Lebensretter werden könnte. Die Tiere des Waldes verkörpern in „Avatar“ den „Deus ex machina“, also das göttliche Prinzip, das der Heldengruppe völlig unerwartet zu Hilfe eilt.

In der Regel sind es selten Tiere oder Gegenstände, die der Hauptfigur am Ende zu Hilfe eilen, sondern eher menschliche Figuren. Möglichkeiten gibt es viele, den „Gott aus der Maschine“ sprechen zu lassen. Sie als Autor sollten wissen, dass Sie diese dramaturgische Möglichkeit besitzen und zu Beginn möglichst beiläufig exponieren müssen. Während der übrigen Handlung sollten Sie davon nichts erwähnen, damit das Überraschungsmoment am Ende groß ist.


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