Charakterisierung

Charakterisierung

Die Charakterisierung von Krimi-Figuren

Ein Kriminalermittler benötigt entweder einen scharfen Verstand oder eine große Portion Entschlossenheit, um einen Verbrecher zu entlarven. In Krimis gibt es verschiedene Figureneigenschaften, die eine Kriminalgeschichte voranbringen, und solche, die einem Krimi eher zuwiderlaufen.

Es ist notwendig, dass die Figuren eines Genres bestimmte genrespezifische Eigenschaften besitzen. Im Bereich der Kriminalgeschichte sollte ein Ermittler vor allem unerschrocken, scharfsinnig und trickreich sein. Er besitzt in der Regel keine tiefen Partnerschaften, die ihn emotional binden. Nur so kann er leicht sein Leben aufs Spiel setzen und mit seinem freien Geist einen raffinierten Verbrecher überführen.

Die folgende Liste charakterlicher Eigenschaften kann dazu dienen, Kriminalermittler zu entwickeln und mithilfe der Gegensatzpaare ihr Figurenprofil zu schärfen. Mit Gegensatzpaaren lassen sich leicht einen Charakter formen:

Wie ist der Ermittler?

genau beobachtend – Dinge übersehend

scharfsinnig – stumpfsinnig

neugierig – desinteressiert

nachdenklich – flatterhaft

zuhörend – geschwätzig

zurückhaltend – stürmisch

präzise – unklar

engagiert – gleichgültig

gerechtigkeitsliebend – unmoralisch

unerschrocken – schüchtern

wehrhaft – zaghaft

stark – schwach

trickreich – fantasielos

Wenn Ihre zentrale Krimifigur einige der Eigenschaften besitzt, die links aufgeführt sind, vergrößern Sie die Chance, dass Ihre Figur ein guter Ermittler wird.

Das Dilemma eines Krimi-Ermittlers

Ermittler setzen ständig ihr Leben aufs Spiel, um einen Mörder zu fassen. Sie überschreiten ständig Grenzen: Grenzen der Gefahr. Grenzen dessen, was man nicht tun soll oder darf. Grenzen dessen, was man nicht sagen oder denken darf. Gerade durch diese Grenzüberschreitungen kommen die Ermittler einem Täter auf die Spur.

Ein Ermittler fragt sich sicherlich nicht selten: „Soll ich erneut mein Leben aufs Spiel setzen? Kann ich damit einen anderen retten? Oder halte ich mich zurück? Vielleicht hat es die Person ja gar nicht verdient, gerettet zu werden?“

Diese Gedanken zeigen ein wesentliches Dilemma eines Ermittlungsprofis. Doch der Ermittler zögert nur kurz und riskiert Leib und Leben. Miss Marple mischt sich in dem Kriminalfilm „Vier Frauen und ein Mord“ (1964) unter eine Schauspielertruppe, um einen Mörder zu entlarven. Der Ermittleragent James Bond mischt sich in „Casino Royale“ (2006) in eine Pokerrunde von Gangstern, um den Plan eines Verbrechers zu vereiteln. Und die junge FBI-Agentin Clarice Starling nimmt in „Das Schweigen der Lämmer“ zu dem gefährlichen Menschenfresser Dr. Lecter Kontakt auf, um einen Serienkiller zu fassen.

Ein Dilemma besteht aber nicht allein durch die Gefahr, in die sich ein Ermittler begibt oder darin, ob er zögert. Ein Dilemma hat immer auch mit dem Ziel (Want) eines Ermittlers zu tun.

Ein Ermittler, der nach Rache aus ist, wird von eingeweihten Kollegen immer wieder mit der Frage konfrontiert, was er denn tun würde, wenn er dem Mörder tatsächlich gegenübersteht. Ein echtes Dilemma sollte aufs Engste mit dem wesentlichen Figurenziel der Hauptfigur verknüpft sein. Durch ein Dilemma erhält die Figur Mehrdimensionalität und Figurentiefe.

Das Dilemma sollte immer zwei mögliche Wege aufzeigen, wobei jeder Weg für sich genommen, ein schweres Problem mit sich bringt. Für einen rachsüchtigen Cop könnte beispielweise das Dilemma lauten: „Was willst du tun, wenn du ihn getötet hast? Bist du dann zufrieden? Und wie soll es dann weitergehen? Willst du in den Knast wandern? Lass es besser sein! Töte ihn nicht. Lass den Täter laufen. Aber wie willst du dann weiterleben, wenn der Täter frei herumläuft und seinen Spaß hat? Der Täter hat doch den Tod verdient. Oder nicht?“

Hört ein rachsüchtiger Cop auf, seine Rache zu leben, dann hat er möglicherweise auch keinen Grund mehr zu ermitteln und seinen Job auszuüben. Ob der Ermittler den Täter tötet und sich damit rächt oder es unterlässt – beides muss schwerwiegende Konsequenzen haben. So sollte ein Dilemma aufgebaut sein.

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