Krimi-Figuren

Krimi-Figuren

Hauptfigur(en)

Ein Krimi besteht aus einem überschaubaren Ensemble von Figuren. Da gibt es den Ermittler, der einen Fall löst. Der Fall wiederum dreht sich um ein Opfer und mehrere Verdächtige, darunter der Täter. Ein Krimi wird dann lebendig, wenn der Ermittler den Psychologen spielt und die Charaktere der Beteiligten schonungslos offenlegt. Der Ermittler besitzt immer auch außergewöhnliche Fähigkeiten der Beobachtung und der Kombination.

Der Ermittler muss kein Ermittler von Amts wegen sein. Viele Ermittler in Kriminalgeschichten sind Privatleute oder fachfremd, jedoch mit einem besonderen Talent oder einem starken Antrieb zur Verbrecherjagd. Der vermutlich erste Ermittler der Kriminalgeschichte, König Ödipus, war kein Kriminalkommissar. Die Leser oder Zuschauer eines Kriminalromans oder eines Krimis lieben es, wenn Menschen, die nicht aus dem Kreis der Polizei oder der Profidetektive stammen, die Aufgabe der Ermittlung übernehmen. Ein Presse­fotograf überführt in „Das Fenster zum Hof“ (1954) einen Mörder. Oder eine Rentnerin deckt in den Kriminalfällen um „Miss Marple“ gleich mehrere Verbrechen auf. Ganz besonders eignen sich externe Berater für Fernsehserien, wie etwa in „The Mentalist“ (2008-2015), „Monk“ (2002-2009), „Castle“ (2009-2016) oder „Numb3rs – Die Logik des Verbrechens“ (2005-2010).

Ermittler sind in der Regel eher zurückhaltende Menschen. Sie denken viel nach und beobachten scheinbar beiläufig alles sehr genau. Sie besitzen einen scharfsinnigen Geist, eine enorme Intelligenz und außergewöhnliche Kombina­tionsgabe. Mit anderen Worten: Ermittler besitzen etwas Übermenschliches.

Immer ist der Ermittler aufmerksam. Ihm entgeht nicht das kleinste Detail, im Gegensatz zu seinen Kollegen. Gerade weil sein Geist so brillant ist, bewundern wir ihn als Zuschauer oder Leser.

Der Ermittler enthüllt im Verlauf seiner Ermittlung den Charakter des Opfers und der Verdächtigen und schließlich auch das Motiv des Täters. Selten finden wir in einem Kriminalstück eine Love Story. Das gilt jedoch nicht für Krimi-Serien, in denen eine Liebesgeschichte am Rande und als Subplot erzählt werden kann. Der Ermittler ist immer auch ein Verbrecherjäger und ein Gegner des Bösen. Insofern ist der Ermittler auch eine moralische Instanz und ein Anwalt des Opfers. 

Die Verdächtigen und der Täter

Das Duell, das in der Vorgeschichte zwischen dem Täter und dem Opfer stattgefunden hat, wird im Verlauf eines Kriminalstückes zwischen dem Ermittler und dem Täter fortgeführt. Der Täter ist fast immer der Gegner, der Antagonist. Da der Täter nicht gleich überführt werden sollte, gibt es in vielen Fällen zuerst mehrere Verdächtige, die allesamt die Rolle von Antagonisten einnehmen können. Einer von ihnen ist der Täter oder auch nicht. Verschiedene Anhaltspunkte führen zum Täter und überführen ihn schlussendlich. 

Nach außen hin ist der Täter häufig eine anfangs ehrenwerte und unschuldig erscheinende Person. Im Idealfall sollten Verbrechen aus persönlichen Motiven (Hass und Leidenschaft) und nicht aus abstrakten Gründen (wie aus materiellen Motiven) begangen werden. Der Mord wird dadurch emotional nachvollziehbarer.

Im Verlauf der Ermittlung dringt der Ermittler immer tiefer in eine ihm fremde Welt ein und durchschaut diese. Er analysiert die Charaktere der Verdächtigen und entlarvt schließlich den Täter und zeigt dessen wahren Charakter.

Helfer & Auftraggeber

Der Ermittler sitzt in der Regel zwischen zwei Stühlen: Einerseits ist er ein Untergebener (gegenüber seinem Vorgesetzen oder dem Auftraggeber), doch er besitzt oft auch eigene Helfer. Daraus können sich verschiedene Kämpfe um die Rangordnung nebst Sticheleien ergeben – nach oben, wie auch nach unten.

Zum Beispiel kann ein Untergebener versuchen, besser als der Ermittler zu sein und ihn aufs „Abstellgleis“ zu stellen. Kleine Sticheleien innerhalb der Gruppe des Ermittlers können auch komische Elemente in die Geschichte miteinbringen.

Bei Krimi-Serien sind die Helfer von großer Bedeutung, denn sie übernehmen Aufgaben, die der Ermittler nicht allein übernehmen kann. Außerdem sorgen sie für Abwechslung und bringen neue Aspekte (auch viel Menschliches) in die Story mit ein.

Der Vorgesetzte setzt den Ermittler häufig unter Druck und kann dem Ermittler zum Beispiel ein Zeitfenster setzen. Zeitlimits erhöhen die Spannung.

Das Opfer in einer Kriminalgeschichte

Das Opfer ist der Aufhänger für die Kriminalgeschichte. Seine Geschichte ist Teil einer Story (die Vorgeschichte), die langsam und aus verschiedenen Perspektiven enthüllt wird. Da das Opfer aus persönlichen Gründen (Hass, Eifersucht, Neid, Ehrverletzung etc.) getötet worden sein sollte, ist das Opfer der emotionale Anlass, eine Geschichte zu erzählen.

Das Opfer, das anfangs meist sachlich-nüchtern betrachtet wird, wird im Verlauf der Ermittlung immer lebendiger und sein Charakter (ob gut oder böse) zeigt sich immer deutlicher. Je mehr sich der Ermittler mit dem Opfer beschäftigt, umso mehr Spuren führen zum Täter und überführen ihn. Eine Entwicklung in Bezug auf das Opfer kann erfolgen, wenn das Opfer in der Ermittlung zuerst eine weiße Weste hat und später als böse und schlecht erscheint.

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