Ziele

Ziele

Positive und negative Ziele in einer Kriminalgeschichte

Eine Kriminalgeschichte muss nicht immer von Polizisten handeln, die Verbrechen aufklären. Es gibt auch andere Personen, die die „Lizenz zu ermitteln“ besitzen. Das sind Detektive, Reporter, Kopfgeldjäger, Anwälte, Richter, aber auch Hobby-Detektive. Neben der Ermittlungstätigkeit haben viele diese Personen eins gemeinsam: einen starken Gerechtigkeitssinn und den Willen, einen Fall aufzuklären. Dies ist ein positives, offenes Ziel.

Doch nicht alle Ermittler sind gute Menschen. Es gibt auch Polizisten mit negativen Zielen. Manche Polizisten sind zum Beispiel korrupt und wollen sich heimlich bereichern. Viele amerikanische Filme spielen mit diesem Charakterzug. Fast durchweg korrupt ist ein Polizeirevier in dem Spielfilm „21 Bridges“ (USA 2019).

Ein weiterer negativer Charakterzug bei einem Ermittler ist das Sinnen und Trachten nach Rache. Manche Cops sind nach außen hin friedfertig, aber innerlich brodelt es in ihnen und sie wollen sich für ein vergangenes Unrecht rächen. Dies können wir in der Krimiserie „Life“ (USA 2997-2009) oder bei „The Mentalist“ (USA 2008-2015) mitverfolgen.

Es gibt eine Reihe weiterer, negativer Ziele bei vielen Ermittlern. Manch ein Ermittler ist desillusioniert und stellt die Welt, in der er sich befindet, in Frage. Er ertränkt seine Sorgen zum Beispiel in Alkohol. Der Charakter des desillusionierten Ermittlers ist eng mit Detektivfiguren verbunden. Die Romane und Romanverfilmungen von Raymond Chandler und Dashiell Hammett verdeutlichen dies. 

Wir haben nun mit korrupten, rachsüchtigen und desillusionierten Ermittlern Menschen mit verschiedenen negativen Handlungszielen kennengelernt. Doch es gibt auch normale, unauffällige oder sich durchschnittlich verhaltende Ermittler. Clarice Starling in dem Film „Das Schweigen der Lämmer“ (1991) treibt in ihrer Freizeit Sport, um sich fit zu halten. Kommissar Maigret des Schriftstellers Georges Simenon sitzt gerne in Bistros, raucht Pfeife und trinkt ein Glas Weißwein. Der Berater Patrick Jane aus der Serie „The Mentalist“ liegt gerne auf einer Couch herum, um nachzudenken oder sich auszuruhen. Diese Verhaltensweisen verkörpern völlig normale, menschliche Ziele und natürlich gibt es viel mehr davon, als von mir hier erwähnt.

Ein Handlungsziel, das vorwiegend positiv betrachtet wird, ist das des ehrgeizigen Ermittlers. Der Cop Andre Davis in dem Film „21 Bridges“ ist solch ein ehrgeiziger Polizist. Er will möglichst alle Schurken in der Stadt bestrafen. Zumindest so viele, wie er kann. Auch Clarice Starling aus „Das Schweigen der Lämmer“ ist nicht nur Jahrgangsbeste bei der Ausbildungseinheit, sondern extrem ehrgeizig in ihrem Job.

Es gibt noch Dutzende weitere, positive Handlungsziele. Manche Ermittler stehen kurz vor einer Heirat, wenn die Handlung beginnt. Bei anderen Ermittlern steht Nachwuchs an oder aber sie haben bereits mehrere Kinder und wollen sich um sie kümmern. „Jemanden überraschen wollen“ oder „sich um die Eltern kümmern“ sind ein paar Weitere von nahezu unendlich vielen Handlungszielen.

 Warum betrachten wir diese Handlungsziele so genau? Weil ein Ermittler, wie ein ganz normaler Mensch erscheinen soll. Und es gehört dazu, dass eine Figur Handlungsziele verschiedenster Art besitzen sollte. Diese Ziele können klein oder groß erscheinen – je nach Standpunkt des Betrachters.

Um einen Ermittler menschlich wirken zu lassen, sollte er wenigstens ein negatives und ein positives, vielleicht auch ein ganz durchschnittlich erscheinendes Ziel besitzen.

Der Polizist Andre Davis aus dem Film „21 Bridges“ hat…

1. …das normale, durchschnittliche Ziel für einen Cop, unbestechlich zu sein und Verbrecher unerbittlich zu jagen.

2. …das negative Ziel, dass er vermutlich zu schnell schießt und schon mehrere Verdächtige getötet hat. Sein Verhalten wird von einer Kommission untersucht.

3. …das positive Ziel, sich fürsorglich um seine demenzkranke Mutter zu kümmern.

Sie können erkennen: Wenn eine Figur nicht nur ein einziges Ziel besitzt, beginnt sie sich vielschichtig zu verhalten und wirkt dadurch mehrdimensionaler.

Offene und versteckte Ziele in einer Krimihandlung

Richtig spannend wird eine Figur, wenn andere Personen nicht alles über sie wissen. Wollen Sie zum Beispiel, das andere alles über Sie wissen? Bestimmt nicht. Und so ergeht es auch fiktiven Figuren. Sie verbergen Sehnsüchte, Ziele oder Wünsche. Nicht jedoch vor allen Menschen in ihrem Umfeld. Manchen offenbart sich eine Figur, anderen nicht. Wieder andere finden zufällig ein geheimes Ziel über eine Figur heraus und werden zu Mitwissern.

Ich möchte Ihnen ein paar Beispiele aus Filmen zeigen:

In „21 Bridges“ verbirgt der Cop Andre Davis das Ziel, seine demenzkranke Mutter zu pflegen. Dies scheint keiner seiner Kollegen zu wissen. Andere Cops wissen jedoch, dass sein Vater vor vielen Jahren von einem Verbrecher getötet wurde und Davis vielleicht deshalb so ehrgeizig ist, Verbrecher zu jagen.

In „16 Blocks“ (D, USA 2006) trinkt der Polizist Jack Mosley heimlich und im Dienst Alkohol. Doch vermutlich alle Cops vom Revier wissen, dass er das tut und verhalten sich ihm gegenüber abfällig. Genau wissen wir das aber nicht. Er ist auf jeden Fall ein Außenseiter. 

Versuchen Sie als Autor, bestimmte Ziele einer Figur zu verbergen, andere wiederum zeigen sie offen. Figuren, die bestimmte Ziele vor anderen verbergen, wecken Neugier und Interesse beim Zuschauer und Leser und wirken lebensecht.

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