Gedanken

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Liebe entsteht und Liebe vergeht

In Liebesgeschichten geht es um Nähe und um Distanz zwischen zwei Menschen. Lovestorys handeln aber auch davon, dass sich das Leben von Menschen völlig verändert, sobald sich zwei ineinander verlieben. Mit dem Verliebtsein öffnet sich eine vollkommen neue Welt. Ein Mensch beginnt anders wahrzunehmen, anders zu handeln, anders zu denken und anders zu fühlen. Das Gefühl, „Schmetterlinge im Bauch“ zu haben, ist in einer Erzählung nicht einfach darzustellen. Eine Person kann unkonzentriert bei der Arbeit sein und Fehler machen. Sobald die Person jedoch mit ihrem Geliebten zusammen ist, hat sie nur noch Augen und Ohren für den anderen. Ein Liebender vergisst alles andere auf der Welt – er lebt allein für die Liebe.

Vermutlich ist die Liebe die stärkste Antriebskraft für menschliche Lebewesen und vielleicht auch für viele Tiere auf diesem Planeten.

Zuschauer oder Leser wollen in einer Liebesgeschichte das Wirken der Liebe sehen. Vermutlich glauben alle Menschen bewusst oder unbewusst an die Kraft und an die Macht der Liebe. Wie stark diese Liebe belastbar ist oder wie weit sie gehen kann, das sollten Sie als Autor mit Ihren Figuren erkunden.  

Ein möglicher Leitgedanke kann deshalb sein: Die Macht der Liebe verändert das Leben eines Menschen von Grund auf.

Natürlich können Sie auch ohne einen Leitgedanken und ohne ein Leitmotiv auskommen oder sich einen eigenen Leitgedanken entwickeln. Letztendlich kommen Sie weniger vom Weg und von Ihrer Geschichte ab, wenn Sie sich einer solchen Idee verpflichten.

Verstehen Sie diese Vorschläge über Gedanken von Lovestorys nicht als unabdingbare Notwendigkeiten, als ein „Muss“, sondern als ein „Kann“ und als Möglichkeit, sich einem Thema zu nähern.

Eine gute Lovestory thematisiert außerdem zwei Aspekte der Liebe: Sie zeigt immer, wie eine Liebe entsteht und eine vergeht, oder auch umgekehrt …

Die absolut simple Erkenntnis, dass Liebe entsteht und wieder vergeht, ist die zentrale Handlungsanweisung für jede Liebesgeschichte.

Als Autor sollte man nicht nur das Entstehen und Wachsen einer Liebe darstellen, also nicht nur, wie die Liebenden füreinander kämpfen. Von einem gewissen Punkt an sollte die Liebe belastet und brüchig werden oder sogar gefährdet sein. Erst wenn eine Liebe auch Gefährdungen aushält, wird sie zu etwas Großem und Einzigartigem. Der Zuschauer will Liebesbeziehungen sehen, die Hindernisse bewältigen und Raum und Zeit überdauern.

In den meisten Liebesgeschichten wird zuerst gezeigt, wie eine Beziehung entsteht, die im weiteren Verlauf eine Bewährungsprobe zu bestehen hat und eine Trennung durchläuft. Sie können aber auch eine vergehende Liebe an den Anfang setzen und dann in eine neu entstehende Liebesbeziehung überleiten.

Der Beginn einer Love Story

Wie beginnt man nun eine Liebesgeschichte? Wie erzeugt man von Beginn an Spannung? Aristoteles hat dafür bereits vor über 2000 Jahren in seiner „Poetik“ ein Konzept beschrieben: Man lässt eine Situation vom Glück ins Unglück kippen. Dadurch erhält man eine spannungsvolle Ausgangslage, die man weiter ausbauen und gestalten kann.

Aristoteles bezog sich allerdings nur auf Tragödien. Natürlich kann man auch eine Situation vom Unglück ins Glück kippen lassen. Beide Varianten sind gleichermaßen möglich. Immer ist es jedoch ein wesentlicher Handlungsumschwung, der den Anlass oder den Anfang einer Geschichte markiert.  

Es gibt verschiedene Bezeichnungen für den ersten Handlungsumschwung einer Story. Der amerikanische Drehbuchlehrer Syd Field bezeichnet den Punkt als „Plot Point 1“. Andere bezeichnen diese Stelle als „erregendes Moment“ (Gustav Freytag), oder als „ersten Wendepunkt“ (Linda Seger).

Ich möchte Ihnen den Plot Point I anhand des Films „Titanic“ (1997) erklären: Rose, die Hauptfigur des Films, will sich das Leben nehmen. Plötzlich ist Jack da und hilft ihr. Das ist noch kein Umschwung oder Wendepunkt. Es ist die Ausgangslage. Rose ist also unglücklich. Erst nachdem sie Jack in die feine Gesellschaft einführt und sie sich in ihn zu verlieben beginnt, kippt die Lage und die Mutter von Rose sagt: „Du wirst diesen Jungen nicht wiedersehen!“ Hier beginnt der zentrale Konflikt und man fragt sich als Zuschauer: Kommen die beiden Liebenden zusammen? Die Situation kippt hier vom Unglück (der Anfangslage) zum Glück, das Rose in den nächsten Stunden mit Jack erleben wird.


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