Superplots verstehen

Superplots verstehen

Es gibt Millionen von Plots. Doch es gibt nur wenige erfolgreiche Plots, die auch als dramatische Grundsituationen, als „erfolgreiche Mainplots“ oder als Superplots bezeichnet werden können.

Bevor Sie einen Plot gestalten, sollten Sie sich Gedanken machen, welches Thema Sie ins Zentrum stellen wollen. Diese Frage ist äußerst wichtig, denn jeder Film oder jeder Roman behandelt immer mehrere Themen, die jedoch auf ein zentrales Thema hinauslaufen. Ich möchte Ihnen hierzu ein Beispiel nennen …

„Titanic“ handelt vom Untergang eines Schiffs. Außerdem behandelt Titanic eine Rettungsaktion der Passagiere des Schiffs. Dann gibt es noch die Geschichte zwischen Rose, ihrem Verlobten Hockley und Jack. Diese Dreiecksgeschichte behandelt das Thema der Liebe. Geht es nun in dem Film eher um den Untergang des Schiffes oder um eine Liebesgeschichte? Sie müssen wissen: Es gibt keine zwei Antworten, sondern nur eine. Denken Sie immer daran, dass das zentrale Thema einen Konflikt darstellen muss. Ist der Untergang des Schiffes ein Konflikt? Nein. Folglich ist also die Liebesgeschichte zwischen Rose, Jack und Hockley das Zentrum des Films. Titanic behandelt das Thema der Liebe.

Das zentrale Thema ist der Leitgedanke eines Films oder Romans. Alles anderen Themen ordnen sich diesem Thema unter. Oder anders ausgedrückt: Alle anderen Elemente einer Story führen letztlich immer wieder auf dieses eine Thema hin. Das Problem für einen Autor besteht nun darin, dass er eine bestimmte Idee hat, das Thema darin aber noch nicht erkennen kann.

Ein Beispiel: Nehmen wir an, ein Autor möchte das Thema „E-Mail“ oder der Kontaktverkehr via E-Mails behandeln. Er denkt, man könnte daraus etwas Interessantes machen. Nun kann ein Autor bestimmte Themen abklopfen, die sich eignen, um aus dem Thema „E-Mail“ eine interessante Geschichte zu gestalten. Ein Abenteuer mit E-Mail-Verkehr ist wohl absurd. Auch ein Action-Duell zwischen zwei E-Mail-Schreibern ist kaum geeignet, um daraus etwas filmisch Interessantes herauszukristallisieren.

Wie sieht es aus mit dem Thema „Liebe“? Kann man etwa eine Lovestory und eine Geschichte des Kennenlernens aus der E-Mail-Idee gestalten? E-Mails sind nichts anderes als Briefe. Und Liebesgeschichten über ein Kennenlernen mittels Briefe gibt es bereits. Die genaue Ausgestaltung des Plots, also die Wahl des Superplots, will der Autor noch genauer überlegen.

Aber Sie sehen: Man kann mit Hilfe der Genres bereits eine Eingrenzung einer Story vornehmen.

Es gibt wohl Tausende oder Millionen von Themen, die zum Aufhänger für eine Story werden können. Woran soll sich ein Autor orientieren? Woher soll er wissen, dass eine Grundidee oder ein Thema auch wirklich funktioniert? Oder worauf letztlich eine Geschichte hinausläuft? Betrachten wir zuerst einmal ein paar mögliche Themen …

Themen sind …

Annäherung, Trennung, Hass, In die Ferien fahren, einem Hobby nachgehen, Inzest, Rache, Attentat, das Fliegen lernen, Fernsehschauen, jemandem eine Falle stellen, Tod, Krankheit, Spaß haben, Tanzen und so weiter …

Sie merken: Themen sind so vielfältig wie der Mensch und sein Leben. Aber Sie haben bestimmt auch erkannt: Nicht jedes Thema birgt schon für sich genommen einen Konflikt oder ein Spannungsmoment. Einige aber schon. Themen wie „Rache“, „Inzest“ oder „Attentat“ haben schon per se Spannungspotenzial. Es gibt also Themen, die sich besonders gut für einen Film oder einen Roman eignen. Es gibt eine begrenzte Anzahl bestimmter „Über-Themen“, auf die nahezu alle dramatischen Werke hinauslaufen.

Der Theaterdichter Carlo Gozzi (1720–1806) hat 36 solcher Themen oder dramatischer Grundsituationen gefunden. Der amerikanische Autor Ronald B. Tobias hat die möglichen Themen noch stärker reduziert auf 20 Masterplots. Ein weiterer Amerikaner hat die möglichen dramatischen Grundsituationen noch weiter ausgedünnt auf sieben Basic-Plots.  Es scheint, als wäre ein Wettstreit entbrannt, wer die wenigsten Grundsituationen findet.    

Das Problem dieser „Masterplots“ oder „Basic-Plots“ besteht darin, dass sie Ihnen – meiner Ansicht nach – nicht weiterhelfen. Tobias erklärt seine Masterplots zum einen sehr allgemein. Zum anderen gibt es deutlich mehr als nur 20 Masterplots. Ein Beispiel: Tobias hat nur zwei Plots, die das Thema „Liebe“ beschreiben: „verbotene Liebe“ und „Liebe“. In dieser Artikelserie werden ich Ihnen an späterer Stelle allein 29 Superplots mit dem Motiv der „Liebe“ vorstellen. Die Masterplots von Tobias oder die Basic-Plots verwirren meiner Ansicht nach angehende Schriftsteller mit ihrem verführerischen Absolutheitsanspruch zutiefst.

Wie kommt man von einem Thema zu einem Superplot?

Manche Autoren besitzen bereits die Erfahrung, welche Themen als spannende Story funktionieren, andere wiederum können dies nicht so leicht abschätzen. Es ist deshalb sehr wichtig, dass Sie als Autor möglichst viele Geschichten kennen. Eine andere Möglichkeit: Sie orientieren sich an den Superplots. Die Beispiele, die zu jedem Superplot genannt werden, geben Ihnen eine erste Hilfe. Orientieren Sie sich außerdem an der Beschreibung, die zu jedem Superplot erwähnt wird und lernen Sie die Plots dadurch kennen. Damit erlernen Sie den Umgang mit den Plots, der es Ihnen erleichtert, Ihre eigene Idee, einem Superplot zuzuordnen. Dazu gehört etwas Übung, doch irgendwann werden Sie das ganz sicher meistern. Wenn Sie Ihren Superplot kennen, dann sollten Sie möglichst viele Beispiele aus dem Bereich ansehen oder lesen. Danach erst versuchen Sie Ihre eigene Story zu gestalten. Tun Sie das jedoch ganz anders als die Autoren vor Ihnen. Dann haben Sie die Chance etwas Einzigartiges zu erschaffen.

Was ist der Unterschied zwischen Masterplots und Superplots?

Wie erwähnt gibt es laut Ronald B. Tobias 20 Masterplots, die sehr allgemeine Strukturen beschreiben, wie Quest (Suche), Adventure (Abenteuer), Pursuit (Verfolgung) oder Rescue (Rettung). Tobias macht mehrere Fehler: Sich auf eine genaue Anzahl von Plots festzulegen und diese dann als Prämisse herauszugeben macht keinen Sinn und ist wenig hilfreich. Was Tobias unter den Masterplots versteht, ist mit den dramatischen Grundsituationen von Gozzi (1720-1806) nahezu identisch. Der Begriff „Masterplot“ hört sich kürzer und prägnanter an und gibt gleichzeitig vor, etwas Neues zu sein. Die Masterplots sind außerdem sehr allgemein gehalten und bleiben daher oberflächlich.
Superplots hingegen gibt es mehrere Dutzend. Das System der „Superplots“ ist ein offenes Modell. Jeder Autor, der einen erfolgreichen Mainplot (Superplot) findet, kann das Modell der Superplots ergänzen. Superplots stellen zwar dramatische Grundsituationen dar und sind daher nichts neues. Aber sie nehmen bereits im Vorfeld eine inhaltliche Abgrenzung vor, indem sie sich an den litararischen und filmischen Genres orientieren. Und das ist neu. Superplots sind außerdem genauer und vielfältiger.

Welche dramaturgische Funktion besitzen Superplots?

Superplots helfen Autoren einerseits, ein Thema von einem anderen Thema abzugrenzen. Andererseits helfen Superplots, Ideen zu konkretisieren. Dadurch lässt sich der Kern einer Geschichte herausschälen und besser begreifen. Superplots sind außerdem Erzählmodelle, die besonders gut funktionieren. Sie tauchen in der Erzählgeschichte und über Jahrhunderte hinweg mehrfach auf. Wenn Sie den Superplots folgen, erhöhen Sie die Chance, dass Ihre Story spannender wird, dass sie also ein größeres dramatisches Potenzial besitzen wird als andere Geschichten.


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