Schauplätze

Schauplätze

Schauplätze in Erzählungen werden nicht zufällig, sondern ganz zielgerichtet eingesetzt, um bestimmte Emotionen zu transportieren. Außerdem besitzen Schauplätze eine charakterisierende Wirkung. In diesem Kapitel werden Sie lernen, welche Funktionen Schauplätze bei Lovestorys erfüllen.

Was sind „Schauplätze der Liebe“?

Bestimmte Schauplätze tauchen in Geschichten immer wieder auf. Das „Schlafgemach“, ein „Café“, das „Theater“, der „Arbeitsplatz“ – das sind Orte, die eine bestimmte Wirkung auf den Rezipienten haben. Aber auch die Großstadt, ein Dorf oder eine Kleinstadt transportieren eine Bot-schaft. Schauplätze werden in Filmen und Erzählungen bewusst eingesetzt, um bestimmte Funktionen zu erfüllen. Das Meer steht für Einsamkeit und Ruhe. Menschen, die am Meer leben, suchen vermutlich genau das. Die Wüste steht für etwas Ähnliches. Und auch die Berge. Lebt eine Figur in der Großstadt, wird sie als kontaktfreudig und umtriebig wahrgenommen. Ein Leben in der Kleinstadt gilt vielen Zuschauern als Zeichen für Durchschnittlichkeit.

Schauplätze besitzen die wichtige Funktion, Treff- und Trennungspunkte zu sein. In einem Taxi kann man jemanden kennenlernen, aber auch im Bus, im Flugzeug oder in einer Bar. An denselben Orten kann jedoch auch eine Trennung stattfinden. Oder aber man verschiebt die Trennungsszene eines Films in eine private Umgebung. Zum Beispiel in ein Hinterzimmer, in ein Schlafzimmer oder in ein Hotelzimmer.

Schauplätze als Träger von Emotionen

Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, Orte in Erzählungen richtig einzusetzen. Orte besitzen eine magische Kraft, ob sie nun positiv oder negativ besetzt sind. „Verdun“ steht für eine der verlustreichsten Schlachten der Menschheit mit vielen Opfern. „Ein Strand auf Hawaii“ vermittelt, sobald wir ihn sehen, Urlaubsgefühle.

Schauplätze sind also immer auch emotional besetzt und können Gefühle transportieren. Ähnlich wie Gegenstände können Orte, wie „Verdun“ oder „Hawaii“, auch Emotionen konservieren und Erinnerungen von Akteuren wecken, wenn sie dort etwas erlebt haben.

Schauplätze als Mittel der Charakterisierung

Den Schauplatz einer Geschichte können Sie bis ins kleinste Detail schildern: In welcher Art von Haus wohnt Ihre Figur? Ist es eine Mietskaserne oder eine mondäne Villa? Ist es ein einfaches Reihenhaus oder eine alte Bruchbude? Ist es ein alter Wohnwagen oder ein Fachwerkhaus? Das alles sagt etwas über den Charakter einer Figur aus und sollte zur Charakterisierung mit herangezogen werden.

Der Ort, an dem jemand wohnt, sagt viel über eine Person aus. Am Meer ist es romantisch, also leben dort eher romantisch veranlagte Menschen. In den einsamen Bergen leben eher zurückhaltende Menschen. In der Großstadt leben kontaktfreudige und kommunikative Personen. Und in der Kleinstadt leben eher bodenständige Leute. So jedenfalls ist die Vorstellung vieler Menschen.

Sie können eine Figur der Erwartungshaltung des Zuschauers oder des Lesers entsprechend gestalten – oder genau konträr dazu. Einen Romantiker am Meer anzusiedeln ist einfach. Was aber, wenn Sie dort einen verschrobenen Menschen beschreiben, der keinerlei Kontakt zu anderen aufnehmen will. Dieser verschrobene Kerl lernt dann zufällig eine attraktive, gesellige Frau kennen – und eine interessante Story kann beginnen.  

Spielen Sie bei Ihrer Ortswahl immer mit der Erwartungshaltung des Zuschauers oder Lesers: In „Titanic“ markieren die Schiffsklassen eine gesellschaftliche Trennlinie. In der ersten Klasse ist die feine Gesellschaft anzutreffen, in der dritten Klasse die einfachen Leute.

Jack, der zu den einfachen Leuten gehört, überrascht seine Umgebung in der ersten Klasse durch sein elegantes Auf-treten und seine treffsichere Wortwahl. Rose überrascht den Zuschauer, als sie in die dritte Klasse kommt, dort ausgelassen tanzt und gar nicht steif auftritt, so wie man es von einer Lady erwarten würde.

Das Umfeld, in dem sich eine Person bewegt, erzeugt also eine Erwartungshaltung. Eine Figur bekommt dann Tiefe, wenn sie sich entgegen der Erwartung verhält und die Grenzen ihrer Umgebung überwindet.

Oft sind Figuren zu Beginn der Handlung in ihrem Verhaltensmuster gefangen. Dieses Verhalten wird durch die Umgebung, in der die Figur lebt, bestimmt. Indem eine Figur einen anderen Menschen kennenlernt, kann sie ihr Verhalten ändern und aus den Konventionen ihrer Umgebung ausbrechen.

Filmische Erzählungen, die derartige gesellschaftliche Ausbruchsversuche zeigen, haben oft einen großen Erfolg, wie wir anhand von „Titanic“, „American Beauty“, „Eins, zwei, drei“ oder „Pretty Woman“ erkennen können.   

 Schauplätze erzeugen Nähe oder Ferne

Schauplätze können gezielt eine Atmosphäre verbreiten, die eine Grundlage zur Annäherung oder zur Distanzierung schaffen. Im Wartezimmer eines Arztes, wo viele Leute sitzen, oder auf der Straße, wo viele Leute unterwegs sind, oder in einem Laden, wo viele Leute einkaufen, wird es eher schwierig sein, einen Annäherungsversuch zu unternehmen.

Dagegen sind die private Wohnung, ein nettes Café, das Auto, ein Park, das Kino oder eine Disco gute Orte für Annäherungen. Wählen Sie Orte nicht einfach, weil es Ihnen selbst dort gefällt, sondern unter dem Gesichtspunkt der dramaturgischen Funktion, die sie erfüllen sollen.

Aber auch hier gilt, dass Sie mit den Erwartungen der Leser oder Zuschauer spielen und gegen diese verstoßen können. Gerade weil es große Überwindung kostet, in einem voll besetzten Zug eine andere Person anzusprechen, kann eine derartige Situation für den Zuschauer oder den Leser amüsant und spannend sein. 


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