Beispiel 1

Beispiel 1

Lovestory-Superplot Nr. 3: Heimliche Liebesbeziehung

Ronny: „Ich war tot.“

Loretta: „Ich auch.“

Ronny: „Was ist mit Johnny?“

aus: Mondsüchtig (1987)

 
Kurz-Info: Heimliche Liebesbeziehung

Zwei Menschen verlieben sich, doch eine dritte Person ist auch noch im Spiel. Diese verhindert die Liebe nicht, doch erschwert sie.

Wovon handelt der Superplot „Heimliche Liebesbeziehung“?

Der Plot der „heimlichen Liebesbeziehung“ verdichtet sich im Zentrum auf das Motiv der unerfüllten Liebe. Wer in einer unglücklichen Beziehung lebt, sucht eine heimliche Beziehung, um geheime Träume und Wünsche zur Erfüllung zu bringen.

Um welche Figurenziele geht es?

Zwei Personen fühlen sich zueinander hingezogen, obwohl es da einen Dritten gibt. Die beiden Liebenden sind zwei verwandte Seelen, während der Dritte meist entweder ein Vernunftmensch oder Materialist ist.

Die historische Entwicklung des Plots

Bei dieser Konstellation gibt es während der zentralen Handlung, also während der Annäherung der Liebenden, keine dritte Person. Das ist der wesentliche Unterschied zum Plot „Liebe & Eifersucht“. Die dritte Person steht stattdessen im erzählerischen Hintergrund. Sie sollte nicht ganz verschwinden, aber die Beziehung der Liebenden mental erschweren.

Wichtig ist, dass sich zwei Liebende relativ ungestört kennen und lieben lernen. Zum Beispiel ist der Ehemann gerade auf einer Geschäftsreise, und deswegen können sich die Ehefrau und ein zunächst Unbekannter näherkommen. Gegen Ende erfolgt bei diesem Plot entweder eine dramatische Trennung der beiden Liebenden („Die Brücken am Fluss“ (1995), „Winter’s Tale“ (2014)) oder aber die beiden kommen zusammen („Mondsüchtig“ (1987), „Eine Concierge zum Verlieben“ (1993)).

Ein thematischer Vorläufer dieses Erzähltyps ist der Amphitryon-Mythos, den Sophokles (496 v.Chr.–405 v.Chr.) und auch Plautus (254 v.Chr.–184 v.Chr.) beschrieben haben. Der Feldherr Amphitryon musste einen Feldzug gegen die Taphier antreten. Als er weg ist, nimmt Göttervater Zeus seine Gestalt an und schlüpft ins Bett zu Alkmene, der Gattin von Amphitryon. Beide haben leidenschaftlichen Sex miteinander. Alkmene bekommt später sogar einen Sohn von Zeus, den sie Herakles nennt. Zeus ist eindeutig ein heimlicher Liebhaber, während Alkmene lediglich glaubt, mit ihrem Ehemann eine romantische Nacht verbracht zu haben.

Im Mittelalter war das erzählerische Thema der „heimlichen Liebesbeziehung“ sehr populär und wurde in vielen Liedern besungen, zum Beispiel von Wolfram von Eschenbach (ca. 1160–1220) oder von Walther von der Vogelweide (1170–1230).[i]  

So lange die „heimliche Liebesbeziehung“ heimlich bleibt, passiert den Liebenden nichts. Wehe, wenn jedoch der Ehemann oder die Öffentlichkeit von dieser Beziehung erfahren.

Der deutsche Romanautor Heinrich Böll (1917–1985) beschreibt in „Gruppenbild mit Dame“ (1971) eine zunächst heimliche Liebe zwischen einer deutschen Frau und einem russischen Kriegsgefangenen zur Zeit des Dritten Reiches. Als die Beziehung an die Öffentlichkeit gerät, wird die Frau diskriminiert und verspottet. Durch unglückliche Umstände wird sie von ihrem Geliebten getrennt, der wenig später stirbt. An die Stelle des gefährlichen Ehemanns kann also auch eine gefährliche Gesellschaft treten.  

Filmbeispiele sind …

Die Brücken am Fluss (1995)

Mondsüchtig (1987)

Winter’s Tale (2014)
Eine Concierge zum Verlieben (1993)

ähnlich:

Das verflixte 7. Jahr (1955)

Romanbeispiel ist …

„Gruppenbild mit Dame“ (1971)


[i] Vgl. dazu auch Frenzel, Elisabeth. Motive der Weltliteratur.
Stuttgart 1992. S. 455f


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