Beispiel 2

Beispiel 2

Lovestory Superplot Nr. 6: Liebeslügen


 „Jeder Mann hat die Chance, jede beliebige Frau zu verzaubern. Mit dem richtigen Zauberstab.“  

Hitch – in: Hitch – der Date Doktor (2005)

 
Kurz-Info: Liebeslügen
 
Eine Beziehung baut auf einer Lüge oder Verheimlichung auf. Der Belogene erlebt aber durch den Lügner eine emotionale Befreiung und glaubt, den idealen Partner gefunden zu haben.

Wovon handelt der Superplot „Liebeslügen“?

Durch eine Lüge kommen zwei Menschen zusammen und werden ein Paar. Bei diesem Plot geht es im Kern darum, sich mit falschen Federn zu schmücken, um einen unerreichbaren Partner lieben zu können. Diejenigen, die zu dieser Strategie der Partnersuche greifen, agieren mit Verkleidung, Verstellung und Lügen.

Um welche Figurenziele geht es?

Oft verstellt sich der eine Partner und täuscht Liebe vor, um sich materiell zu bereichern. Das Opfer, das der Lüge aufsitzt, erlebt dabei meist eine emotionale Befreiung und glaubt den idealen Partner gefunden zu haben. Wenn die Lüge ans Tageslicht kommt, erlebt die befreite Person einen emotionalen Rückschlag.

Die historische Entwicklung des Plots

Bei diesem Plot verstellt sich eine Person, um das Vertrauen einer anderen Person zu erschleichen, oder behauptet etwas Unwahres. Verstellung und Lüge sind Möglichkeiten, eine Person kennenzulernen, die sonst nie als Partner infrage käme, und eine gute Möglichkeit, zwei völlig konträre Charaktere zusammenzubringen.

So entsteht ein Traumpaar, das am Ende einen Alptraum erlebt, wenn die ganze Lüge auffliegt – allerdings nur vorübergehend. Denn während des Zusammenseins haben beide voneinander gelernt und sich verändert, sodass sie irgendwie am Ende doch zusammenpassen können.

Die Lüge, die alles ins Rollen bringt, sollte eher harmloser Natur sein. Es geht nicht darum, dass die lügende Person mit den Gefühlen der anderen spielen und diese verletzen will, sondern die Lüge soll die andere Person aus der Reserve locken – sie also emotional befreien.

Es gibt vier Varianten der Lüge …

Eine Lüge des Geldes wegen: Diese Lüge zielt darauf ab, sich durch die Liebe zu einem anderen zu bereichern oder einen beruflichen Vorteil daraus zu ziehen („Wie angelt man sich einen Millionär?“ (1953), „Was Frauen wollen“ (2000), „Heartbreakers“ (2001))

Lügen, um jemand Unerreichbaren zu erobern: Jemand lügt, um einen Partner zu bekommen, der zum Beispiel sehr gut aussieht („Hitch – der Date Doktor“ (2005), „Die Hochzeits-Crasher“ (2005), „Bettgeflüster“ (1959), „Manche mögen’s heiß“ (1959)).

Lügen aus einem Auftrag heraus: Jemand bekommt Geld, wenn er einen anderen verführt und erobert („10 Dinge, die ich an dir hasse“ (1999), „Küss mich, Dummkopf“ (1964)).

Lügen aus echter Liebe zu einer Person: Jemand gibt vor, ein anderer zu sein, weil er eine Person liebt, ihr aber normalerweise nicht nahe kommen kann („Manhattan Love Story“ (2002), „Verrückt nach Mary“ (1998)).

Auch hier darf es keine dritte Person geben. Die Beziehung muss also nicht geheim gehalten werden – sondern nur die Lüge.

Die Figur des Lügners ist in der Literaturgeschichte eng mit der des Hochstaplers verbunden. Erste Quellen finden sich nicht vor dem 17. Jahrhundert.[i] Ein Hochstapler ist eine Art vornehmer Dieb. Er unterscheidet sich vom Intriganten, indem er die Herzen von Frauen nicht bricht, sondern sie erst zum Erblühen bringt. 

Als einer der Ersten beschreibt der spanische Dichter Lope de Vega (1562–1635) in „El caballero del milagro“ (1593) eine Art Glücksritter, der zum einen ein Großmaul und zum anderen ein Frauenheld ist. Er täuscht durch seine Attraktivität und seine Kleidung einen reichen Mann vor und erringt so die Gunst der Frauen. Als er mit dem ergaunerten Geld außer Landes fliehen will, wird er von seinem Diener verraten.   

In der Literatur finden sich verschiedene Hochstaplerfiguren oder Lügner. Manche lügen der Liebe wegen, andere des Ansehens oder des Geldes wegen. Viele Autoren der Weltliteratur haben über Hochstapler geschrieben, weil diese die Verlogenheit der Gesellschaft und Obrigkeitshörigkeit der Menschen auf so wunderbare Weise entlarven.

Einen der berühmtesten Hochstapler hat Molière (1622–1673) mit „Tartüffe“ (1664) geschaffen. Der angeblich fromme Betrüger Tartüffe versucht das große Vermögen eines wohlhabenden Bürgers zu erschleichen. Zudem soll er noch die Tochter des Bürgers zur Frau bekommen. Dass daraus nichts wird, ist dem Verlobten der Tochter zu verdanken, der in Detektiv-Manier Tartüffe entlarvt.

Filmbeispiele sind …

Wie angelt man sich einen Millionär? (1953)

Heartbreakers (2001)

Die Hochzeits-Crasher (2005)

Was Frauen wollen (2000)

10 Dinge, die ich an dir hasse (1999)

Bettgeflüster (1959)

Hitch – der Date Doktor (2005)

Verrückt nach Mary (1998)

Manche mögen´s heiß (1959)

Küss mich, Dummkopf (1964)

Manhattan Love Story (2002)


[i] Vgl. dazu auch Frenzel, Elisabeth. Motive der Weltliteratur.
Stuttgart 1992. S. 370


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