Welcher Autorentyp sind Sie?

Welcher Autorentyp sind Sie?

Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Strömungen innerhalb der Literatur und des Films. Da gibt es einerseits den beschreibenden Stil und andererseits den spannenden Stil.[i] Jeder der beiden Stile hat seine Berechtigung, wenn auch der letztgenannte beim Publikum besser ankommt. Doch welcher Autorentyp sind nun Sie? Und warum ist es wichtig, sich damit zu beschäftigen?

Eine klare Ausrichtung des eigenen Schreibstils ist eine wichtige Voraussetzung, um sein Publikum zu finden. Es gibt Menschen, die lieben Spannung, und andere lieben Beschreibungen. So wie es Menschen gibt, die eher Äpfel mögen und andere eher Birnen. Der spannende Schreibstil ist geprägt durch eine zielgerichtete Handlung durchsetzt mit Hindernissen, die eine oder mehrere Figuren bewältigen müssen. Autoren, die eine spannende Story schreiben, kennen fast immer auch das Ende ihrer Geschichte, bevor sie anfangen zu schreiben. Die beschreibenden Autoren hingegen lassen ihre Figuren treiben – von ihren Gefühlen, von den Umständen oder von der Gesellschaft. Es gibt durchaus auch Hindernisse, doch die muss eine Figur nicht unbedingt bewältigen. Die Hindernisse können als solche bestehen bleiben.

Der spannende Stil orientiert sich weitgehend an den Regeln der Dramatik. Das bedeutet, dass diese Werke meist eine Drei-Akt-Struktur besitzen. Daran orientieren sich nicht nur viele Theater- und Drehbuchautoren, sondern ebenfalls manche Romanautoren. Was sind weitere Kennzeichen der Dramatik? Dramatische Werke folgen einer inneren Logik, einer sogenannten kausalen Kette der Ereignisse. Auf ein Ereignis folgt zwangsläufig ein zweites. Weil der Mann seine Frau beim Fremdgehen erwischt, wird sie von ihm getötet – so könnte eine Handlungsanweisung oder ein Plot für ein dramatisches Werk lauten.

Ein beschreibendes Werk hingegen interessiert sich eher für die Gedanken, die Stimmung sowie für die Gefühle der Figuren. Es gibt keine klaren Regeln, denen der beschreibende Stil folgt. Weil die Frau fremd geht, ergeht es dem Mann schlecht – so könnte der Plot eines beschreibenden Werkes lauten. Von „Plot“ zu sprechen macht auch bei beschreibenden Werken Sinn, denn auch sie besitzen ein Leitmotiv. Trotzdem sind Werke, die man dem spannenden Stil zuordnet, viel eher Plot-orientiert. Bei Werken des beschreibenden Stils fällt es oft schwer, den Leitgedanken klar herauszuarbeiten.

Im Bereich des Films ist es das Hollywood-Kino, das sich dem spannenden Stil verschrieben hat. Das alternative Kino, dem man zum Beispiel Strömungen wie die Nouvelle Vague oder den Italienischen Neorealismus zuordnen kann, kennzeichnet ein beschreibender Stil. Ganz klar lässt sich daraus im Filmbereich ablesen, dass der spannende Erzählstil der erfolgreichere und publikumswirksamere von beiden ist.

In der Literatur sieht es zwar ähnlich aus, doch Autoren, die dem beschreibenden Stil folgen, können durchaus auch erfolgreich sein und ein Publikum finden. Bedeutende beschreibende Autoren sind zum Beispiel Albert Camus, Gabriel Garcia Marquéz, Gustave Flaubert, Toni Morrison, Peter Handke, Michel Houellebecq, James Joyce, Virginia Woolf, Robert Musil oder Anton Tschechow. Bekannte Schriftsteller, die sich der Spannung verpflichtet haben, sind zum Beispiel Agatha Christie, Friedrich Dürrenmatt, Patricia Highsmith, Charles Dickens, Dan Brown, J. K. Rowling, aber auch Michael Crichton und Ken Follett.

Dieses Ihnen vorliegende Buch richtet sich in erster Linie an Autoren, die sich am spannenden Erzählstil orientieren. Für sie macht es Sinn, nach dem „Want“ (Ziel) ihrer Hauptfigur überhaupt erst zu fragen. Dennoch können auch beschreibende Schriftsteller von diesem Buch profitieren. Das von mir entworfene Charaktermodell im ersten Teil des Buches ist meiner Ansicht nach allgemeingültig und kann von beiden Autorengruppen gleichermaßen verwendet werden. Auch die Kapitel „Figurenentwicklung über ein Dilemma“ und „Das Werkzeug: Wahnsinn“ können sich für beschreibende Autoren lohnen.


[i] Die Begrifflichkeiten „spannender Stil“ und „beschreibender Stil“ wurden von mir entworfen, um zwei grundsätzliche Strömungen zu beschreiben.


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